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Jammern erlaubt

Neue Konzepte bei der Schmerzbehandlung für Ältere

Warum ist es besser, deutlich zu sagen, wo der Schmerz sitzt? Welche Medikamente sollte man lieber meiden? Wie kann man Schmerzen vorbeugen? Tanja Pianta, Fachärztin für Innere Medizin, Geriatrie und Palliativmedizin am St. Marien-Hospital, gibt Antworten.

„Die ältere Generation hat gelernt, die Zähne zusammen zu beißen. Häufig sagen sie daher nicht, wenn ihnen etwas weh tut“, stellt Schmerzmedizinerin Tanja Pianta immer wieder fest. „Schmerz gehört im Alter dazu, meint man. Das stimmt nur bedingt“, sagt sie. Die Schmerzwahrnehmung verändert sich, sie wird aber nicht weniger. Dazu kommen natürliche körperliche Verschleißerscheinungen an den Gelenken. Aber auch Nieren, Lunge, Herz und andere innere Organe sind nicht mehr so funktionsfähig wie die eines jungen Menschen.

Schmerzen sind kein Zeichen von Schwäche

„Schmerzen werden häufig als ein Zeichen von Schwäche gewertet. Sie sind mit Ängsten verbunden und werden daher oft verschwiegen. Als Ärzte müssen wir auch den Einfluss von Trauer, Einsamkeit, Depression oder nichtverarbeiteten Kriegs- und Nachkriegstraumata auf das Schmerzempfinden einbeziehen und ebenfalls behandeln“, ist Tanja Piantas Erfahrung.

Bewegung und soziale Kontakte sind beste Schmerzmittel

Solange der Schmerz es zulässt, ist Bewegung in Kombination mit einer guten Ernährung immer die erste Wahl bei der Behandlung. Die Bewegung macht man idealerweise in Gruppen, denn dort trifft man Gleichgesinnte und soziale Kontakte entstehen quasi von selbst.

Keine Experimente bei der Eigenmedikation

Greift man doch einmal zur Tablette, muss das zwingend mit einem Arzt besprochen werden. Frei erhältliche Schmerzmittel sind für ältere Patienten in den meisten Fällen ungeeignet, da sie zu akutem Nierenversagen und Schleimhautreizungen bis hin zu Magen-Darm-Blutungen führen können. Hierzu gehören vor allem die Wirkstoffe Ibuprofen und Diclofenac.

Richtig dosiert sind Paracetamol und Novalgin gute Alternativen. Deutlich besser als ihr Ruf sind die sogenannten Opiate, die bei langsam angepasster Dosierung und Verlaufskontrolle gute Erfolge erzielen und entgegen landläufiger Meinung nicht zwangsläufig abhängig machen müssen.Schwierig wird es, wenn demenziell erkrankte Menschen den Schmerz nicht mehr selbst verorten können oder nicht mehr in der Lage sind, ihn zu benennen. In diesen Fällen ist Einfühlungsvermögen gefragt, denn dann gilt es, die Körpersprache richtig zu interpretieren. Mit einer am Verhalten orientierten Schmerzdokumentation und ganz genauer Beobachtung von Körperhaltung und Mimik wird dann die Therapie festgelegt.

Oberärztin
Tanja Pianta
Klinik für Geriatrie

St. Marien-Hospital
Kunibertskloster 11-13
50668 Köln

Tel.: 0221 1629-2303
E-Mail: geriatrie.kh-marien@cellitinnen.de