Treffpunkt Gesundheit

Lipödeme sind keine Orangenhaut

Lipödeme sind schmerzhafte Fetteinlagerungen an den Beinen oder auch Armen. Vitamin K sprach mit Dr. Lijo Mannil, Chefarzt der Klinik für Chirurgie V – Plastische und Ästhetische Chirurgie, über ein Phänomen, das in erster Linie Frauen betrifft.

In den letzten Jahren hört man verstärkt von der Frauenkrankheit Lipödem. Was ist ein Lipödem und wer bekommt es?
Dr. Lijo Mannil: Ein Lipödem ist eine schmerzhafte Fetteinlagerung an den Beinen und in selteneren Fällen an den Armen. Ursachen scheinen hormonelle Veränderungen bei der Frau zu sein. Meist treten erste Symptome nach der Pubertät auf, weniger häufig nach Schwangerschaften und den Wechseljahren. Auch eine genetische Vorbelastung der Patientinnen ist sehr wahrscheinlich. Wissenschaftlich ist das aber noch nicht genau geklärt.

Was sind die typischen Symptome eines Lipödems?
Dr. Lijo Mannil: Das auffälligste Symptom ist die symmetrische, relativ spontane Volumenzunahme an den Beinen oder auch an den Armen. Dort tritt das Unterhautfettgewebe verdickt hervor. Füße und Zehen sind nicht betroffen. Der Körper wirkt disproportional, weil sich das Volumen erst ab der Hüfte abwärts bemerkbar macht und der Rumpf schlank bleibt. Beine oder Arme sind sehr druckempfindlich und schmerzen. Es entstehen schneller blaue Flecken, weil die Wände kleinster Blutgefäße beim Lipödem sehr brüchig sind. Weitere Symptome sind Spannungsgefühle in den Beinen durch Wassereinlagerungen oder harte Knoten oder (im späteren Stadium) Fettwülste im Unterfettgewebe, die die Haut permanent unebener machen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es beim Lipödem?
Dr. Lijo Mannil: Es gibt diverse Stadien des Lipödems, die in verschiedenen Ausmaßen vorkommen können. Danach richtet sich auch die Therapieform. Zu Beginn ist die gängigste Therapieform die Kompressionstherapie. Durch den Druck der Kompressionsstrümpfe auf die Gefäße wird versucht, den Blutfluss zu verbessern, die Lymphflüssigkeit staut sich nicht so leicht an und die Beine bleiben länger schmerzfrei.

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es noch?
Dr. Lijo Mannil: Eine weitere Möglichkeit ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE). Bei dieser Therapie werden die Wasser-einlagerungen, sogenannte Ödeme, aus den betroffenen Körperregionen massiert. Speziell ausgebildete Physio-therapeuten arbeiten sich mit Hilfe der manuellen Lymphdrainage vom Rumpf bis zu den Ödemen in Beinen oder Armen vor. Mit besonderen Schöpf-, Dreh- und Pumpgriffen wird über die Haut und das Unterhautfettgewebe die Lymphe aktiviert. Die im Gewebe eingelagerte Lymphflüssigkeit wird dadurch zum Herz transportiert und staut sich nicht mehr in den Gliedmaßen. Danach werden wieder die Kompressionsstrümpfe angelegt, um den Effekt der Lymphdrainage möglichst lange zu erhalten, denn die Entstauung verringert zwar die Schmerzen und verbessert das Spannungsgefühl, aber eine Therapie zur Heilung ist sie leider nicht!

Was kann man tun, wenn die physikalischen Therapien nicht ausreichen?
Dr. Lijo Mannil: Die dritte und meist letzte Möglichkeit ist die Fettabsaugung, die Liposuktion. Das kann medizinisch notwendig werden, wenn man beispielsweise vor Schmerzen nicht mehr gehen kann. Diese Therapie wird nur in Ausnahmefällen von der Krankenkasse übernommen, weil sie bislang nicht im Leistungskatalog der Kassen aufgeführt ist.

Wie läuft so eine Operation ab?
Dr. Lijo Mannil: Mit einer Mikrokanüle werden alle erkrankten Fettzellen parallel zu den Lymphgefäßen entfernt, damit die Lymphgefäße nicht verletzt werden. Unter Anwendung eines Wasserstrahls werden die Fettzellen aus dem Gewebeverbund herausgespült und im gleichen Arbeitsgang abgesaugt. Dieses Verfahren ist um ein Vielfaches schonender geworden, da die umliegenden Gefäße und Nerven bei der Methode nicht angesaugt werden. Der Eingriff sollte nur von erfahrenen Ärzten ausgeführt werden. Nach der OP kommen wieder die manuelle Lymphdrainage und die Kompression zum Einsatz, um die Schwellungen schnell abklingen zu lassen.

 

 

Chefarzt
Dr. Lijo Mannil
Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie

St. Vinzenz-Hospital
Merheimer Str. 221-223
50733 Köln-Nippes

Tel.: 0221 7712-369
E-Mail: plastische.kh-vinzenz@cellitinnen.de