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Mut machen


Krise, Krankheit, Mutlosigkeit – diese Phasen gibt es im Leben. Was hilft dann am besten, was gibt wieder Mut, neuen Lebensmut? Vitamin K hat bei zwei großen Mutmachern Kölns nachgefragt, dem evangelischen Pastor Hans Mörtter und dem katholischen Priester Franz Meurer.

„Lachen ist das Wichtigste“
Hans Mörtter, Pfarrer an der evangelischen Lutherkirche in der Kölner Südstadt.

„Lachen ist das Wichtigste“, sagt Hans Mörtter, Pfarrer an der evangelischen Lutherkirche in der Kölner Südstadt. „Den Humor zu behalten, das trägt auch über dunkle Zeiten hinweg. Wenn ich lache, dann kann ich gar nicht gebeugt gehen“, findet er. Wer lächle, der lasse sich eben nicht klein kriegen von den Umständen. Am besten spiegelt das Mörtters Lieblingsfigur Charly Chaplin – der vermeintliche Loser, der am Ende doch immer menschlich siegt und augenzwinkernd mit dem schönen Mädchen am Horizont verschwindet. Nicht jedem Menschen ist das Lachen so gegeben wie dem engagierten Südstadt-Pastor, der von sich sagt, dass ihm das Elternhaus eine rheinische Frohnatur und ein festes Urvertrauen mitgegeben habe. „Den Anderen sehen, hören, wahrnehmen“, beschreibt er eine wichtige Grundhaltung, um anderen Mut zu machen. „Es gibt Menschen mit einer Lebenstraurigkeit. Da ist es wichtig, aufmerksam zu sein, zu überlegen, was ihnen gut tut, ihrer Geschichte zuzuhören, an ihrer Seite zu stehen und zu sagen, das kriegen wir wieder hin.“

Ein Mutloser braucht die Zuversicht und das positive Denken anderer und das Gefühl, nicht allein zu sein. Auch ein Mutmacher wie Mörtter braucht Kraft. Die ständig steigende Zahl von Geflüchteten, die Kirchenasyl suchen, belastet: „Es ist anstrengend, die Verzweiflung der Menschen auszuhalten“, gesteht er. Energie geben ihm Frau, Familie und Freunde und natürlich sein Gottvertrauen. „Da bin ich ein bisschen wie Don Camillo“, schmunzelt der engagierte Pfarrer. „Von oben“ bekomme er unglaublich viel Energie – die ihm hilft, seine zahlreichen Projekte zu stemmen. Von denen ihm besonders das Menschen-SinfonieOrchester am Herzen liegt, „eine echte Mutmach-Geschichte.“ Menschen jeder Herkunft und Nationalität, mit Handicap oder ohne, machen hier zusammen Musik. „Das Orchester ist der beste Beweis dafür, dass man nie aufgeben soll!“, sagt Mörtter ermunternd.

„Zusammenhalt macht Mut“ Franz Meurer, katholischer Pfarrer in Köln Höhenberg und Vingst.

Nicht aufgeben, das kommt auch für Pfarrer Franz Meurer in Höhenberg und Vingst nicht in Frage. Der „Erzbischof der Herzen“, wie ihn der Express einmal nannte, ist in den Medien und Talkshows kein Unbekannter. Seit 26 Jahren bündelt er im Osten Kölns Kräfte für Menschen, die es nicht leicht haben. Unzählige Initiativen hat er dazu angestoßen, im Laufe der Jahre sicher tausenden von Menschen Mut zum Leben gemacht. Immer geht es ihm darum, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und Selbstachtung und Eigenverantwortung zu stärken. „Es ist vieles möglich“, sagt er, „auch wenn die Ressourcen knapp sind. Wo alle zusammenstehen und gemeinsam handeln, entstehen neue Perspektiven.“ Höhenberg-Vingst ist ein im wahrsten Sinne blühendes Beispiel dafür. Weil ein armes Viertel nicht arm aussehen soll, bepflanzen die Bürger ihre Blumenbeete selbst, stellen

Weihnachtsbäume auf und sorgen für stimmungsvolle Beleuchtung im Winter. „Zusammenhalt macht Mut“, sagt Meuer.