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Naturheilkunde und Co. bei Brustkrebs

Gerade Brustkrebspatientinnen wollen häufig den Behandlungs- und Heilungsprozess selbst mit unterstützen. Absprachen sind wichtig, sonst kann mehr Schaden als Nutzen entstehen.

Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie – das sind die schulmedizinisch notwendigen Behandlungsoptionen bei nahezu jeder Krebserkrankung. Sie bilden die Basis einer erfolgreichen Therapie im Kampf gegen diese tückische Krankheit. Viele Erkrankte möchten sich diesen Behandlungen aber nicht einfach „ergeben“, sondern selbst etwas zum Heilungsprozess beitragen.

Komplementärmedizin richtig einsetzen

Brustkrebs ist die am häufigsten vorkommende Tumorart bei Frauen, daher ist es nicht verwunderlich, dass sich gerad-e bei Brustkrebspatientinnen besonders viele für unterstützende Angebote beispielsweise im Sportbereich oder aus der Naturheilkunde interessieren. „Selbst etwas zur Genesung beizutragen, ist ein absolut nachvollziehbarer Wunsch“, sagt Priv.-Doz. Dr. Verena Kirn, Leiterin des Department Senologie (Brustheilkunde) an der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Heilig Geist-Krankenhaus. Der Impuls, den Körper und die Psyche während und nach einer Behandlung zu unterstützen, sei in jedem Fall richtig, so die Senologin. Die sogenannte Komplementärmedizin kann viel Gutes bewirken, wenn sie richtig eingesetzt wird.

Unter diesen Begriff fallen in der Regel Behandlungsmethoden, die nicht zu den konventionellen medizinischen Therapien gehören, diese jedoch ergänzen können. „Ergänzen ist dabei das Stichwort“, sagt Kirn dazu. „Die Schulmedizin bildet die unabdingbare Basis bei einer Krebsbehandlung. Eine Operation und/oder eine Chemotherapie sowie eine Bestrahlung sind für unsere Patientinnen sicher immer auch eine Belastung, doch ohne diese Maßnahmen geht es nicht im Kampf gegen den Krebs.“ Mittlerweile werden alle schulmedizinischen Therapien auch so schonend als irgend möglich durchgeführt. Gerade bei Brustkrebs kann zudem je nach Tumor-Art ein individueller Therapieplan erstellt werden. Da habe sich in den letzten Jahren sehr viel getan, so Kirn. Die Komplementärmedizin komme vor allem zum Zug, wenn es um das Management der Nebenwirkungen gehe.

Wechselwirkungen beachten

So können beispielsweise mögliche Begleiterscheinungen einer Chemotherapie wie Übelkeit oder Müdigkeit mit komplementärmedizinischen Maßnahmen gelindert werden. Ob sich die Patientin dabei für Naturheilkunde, TCM (Traditionelle Chinesische Medizin), spezielle Entspannungsverfahren wie Meditation oder ein besonderes Sportprogramm entscheidet, ist eine individuelle Typenfrage und muss schlichtweg ausprobiert werden. Es gibt nicht die eine Maßnahme, die für jede Frau das passende Ergebnis bringt.

Im Fall der Naturheilkunde und bei der TCM ist unter Umständen auch Vorsicht geboten. Es gibt Präparate, die sich mit einigen Krebsmedikamenten nicht vertragen. Eine Beratung vor der Einnahme ist daher sehr wichtig. Dr. Jutta Bender-Fuxius arbeitet als selbstständige Heilpraktikerin sowie Apothekerin in der Heilig Geist-Apotheke auf dem Campus des Heilig Geist-Krankenhaus in Köln-Longerich und kann in diesem Zusammenhang vorab beraten: „Wir können nicht davon ausgehen, dass eine Patientin sich bewusst ist, dass auch Arzneimittel aus der Naturheilkunde, wie zum Beispiel ein Johanniskrautpräparat, mit den Medikamenten der onkologischen Therapie in Wechselwirkung treten können. Die Wirkung der Medikamente kann abgeschwächt oder verstärkt werden.“ Insgesamt beobachtet die Heilpraktikerin und Apothekerin, dass die Naturheilkunde zur Unterstützung einer Krebstherapie einen immer höheren Stellenwert bekommt.

Sport ist heute selbstverständlich

Auch Sport und Bewegung gewinnen bei der Krebstherapie immer mehr an Bedeutung. Noch vor einigen Jahren waren Experten der Ansicht, dass eine Patientin unter der Chemotherapie sehr viel Ruhe brauche und sich nach Möglichkeit nicht körperlich betätigen solle. Diese Zeiten sind jedoch vorbei, bestätigt Verena Kirn. Es sei wissenschaftlich belegt, dass ein angepasstes Kraft- und Ausdauertraining während eines Therapiezyklus und auch als Nachsorge helfen kann, gesund zu werden und zu bleiben.

Individueller Trainingsplan

Allerdings gelte auch hier: Die Absprache mit dem Arzt und ein individuell zugeschnittener Trainingsplan sind Pflicht. „Wir begleiten und steuern das Training, damit die Beanspruchung passt“, weiß auch Sportwissenschaftlerin Corinne Bender von der ProPhysio GmbH, die auf dem Campus des Heilig Geist-Krankenhaus die Onkologische Trainingstherapie (OTT) anbieten. Grundsätzlich sei Sport aber heute ein fester Baustein des Therapieprogramms und der Nachsorge. „Das kommt auch dem Wunsch der Patienten, bei einer Krebserkrankung Eigeninitiative zu zeigen, sehr entgegen.“

Leiterin Department Senologie
Priv.-Doz. Dr. Verena Kirn
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe

Heilig Geist-Krankenhaus
Graseggerstr. 105
50737 Köln-Longerich

Tel.: 0221 7491-8289
E-Mail: senologie.kh-heiliggeist@cellitinnen.de