Katrin Meyer mit ihrem unverpackten Wochenkeinkauf.
Service

Ohne Wenn und Abfall

„Plastik ist an sich nicht das Problem, sondern unsere eigene Gemütlichkeit“, sagt Milena Glimbovski. Acht Millionen Tonnen Plastikmüll landen jährlich in den Ozeanen. Damit wollte die junge Russin, die seit ihrem fünften Lebensjahr in Deutschland lebt, Schluss machen. Vor sechs Jahren hatte die damals 22-Jährige bei einem guten Essen und viel Wein die Idee, einen Unverpackt-Supermarkt zu gründen. Weil sie am nächsten Morgen den Gedanken immer noch gut fand, öffneten sich zwei Jahre später in Berlin-Kreuzberg wirklich die Türen zu ihrem ersten Unverpackt-Laden. 600 Lebensmittel gibt es hier, die ohne Umverpackungen oder in Pfandgefäßen abgegeben werden.

Mit ihrem inzwischen sechsköpfigen Team hat Milena Glimbowski eine Vision: „Wir wollen eine nachhaltige Alternative für alltäglichen Konsum sein; kleine Veränderungen im Alltag unserer Kunden anstoßen, aber auch globale Unternehmen zum Umdenken und Handeln bringen.“ Ihre Idee hat Fahrt aufgenommen, über 70 Unverpackt-Läden gibt es inzwischen in Deutschland, mindestens acht sind in Planung. Das Konzept wird auch in der Schweiz und Österreich umgesetzt. Mit Vorträgen und Seminaren sorgt Milena Glimbowski für die Verbreitung ihrer Idee. Ein Buch hat sie inzwischen auch geschrieben, in dem sie in lockerer Sprache erklärt, wie man dem Verpackungswahn entkommt. „Man muss dem Zero-Waste-Lebensstil eine Chance geben“, sagt die Aktivistin. Natürlich bedeute es auch für sie immer noch, im Alltag kleine Kämpfe auszutragen gegen die eigene Bequemlichkeit. Aber wo solle man anfangen, wenn nicht bei sich selbst? „Und wenn wir nur lange genug nerven, dann arbeiten die Ladeninhaber vielleicht doch an einer Lösung für uns“, sagt sie zuversichtlich. Unverpackt-Läden finden die Deutschen gut, laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Splendid Research. Allerdings haben aber nur acht Prozent der Befragten tatsächlich schon in so einem Laden eingekauft.

Die Herausforderungen eines plastikarmen Familienlebens

Katrin Meyer, Unternehmenssprecherin im St. Franziskus-Hospital in Köln-Ehrenfeld, erzählt von den Klippen und Herausforderungen eines plastikarmen Familienlebens:

Unverpackter Einkauf
Bei Gemüse und Obst sind die Verbraucher schon gewohnt, dass sie die Ware lose mitnehmen. Bei vielen anderen Produkten erfordert es Disziplin. Oder man geht in einen der Kölner Unverpackt-Läden.

„Für die Abfallbeseitigung ist bei uns zu Hause mein Mann zuständig. Als er mal einige Zeit ausfiel, merkte ich, wie viel Verpackungsmüll wir eigentlich tagtäglich produzieren. Ich fing an, mich mit dem Thema Müllreduzierung zu beschäftigen und wusste anfangs gar nicht so recht, wo ich anfangen sollte. Aber genau das ist der entscheidende Schritt: Man muss einfach mal anfangen. Nicht immer nur darüber reden, wie umständlich das alles ist, dass es eh nichts bringt und man es dann schließlich auch ganz sein lassen kann. Unperfekt ist besser als gar nicht!

Im Alltag bedeutet das für uns: Wir kaufen Milch, Saft und Joghurt im Mehrweg-Pfandglas. Trinkwasser nehmen wir aus der Leitung und sprudeln es bei Bedarf mit einem CO2-Gerät auf. Trockene Lebensmittel wie Zucker, Müsli & Co. kaufe ich im Unverpackt-Laden.

Obst und Gemüse erhalten wir in einem Abo-System, größtenteils unverpackt von einem regionalen Erzeuger geliefert. Bei Kosmetik- und Reinigungsprodukten schauen wir auf umweltfreundlichere Alternativen ohne Mikroplastik. Ich benutze unverpacktes, festes Shampoo und Seifenstücke statt Flüssigseife, waschbare Stoff- statt Wattepads und Waschpulver in Pappverpackungen.

Auch Küchenrollen und Papierservietten haben wir weitestgehend verbannt. Stattdessen wählen wir waschbare Stoff-Alternativen. Wenn wir Dinge wie Vorratsdosen neu kaufen, wählen wir die Edelstahl- oder Glas-Ausführung statt Plastik oder Aluminium. Und dennoch gibt es einige Dinge, auf die wir (momentan) noch nicht verzichten wollen. Unsere Lieblings-Nudeln zum Beispiel gibt es leider noch nicht unverpackt…“