Service

Pflege ist ein Kraftakt

Bei seelischen Belastungen hilft die anonyme Online-Beratung

Die Internetseite www.pflegen-und-leben.de ist ein Hilfe-Portal für Angehörige, Freunde und Nachbarn, die pflegebedürftige Menschen daheim versorgen. Das Angebot bietet neben vielen Tipps und Hilfestellungen eine kostenlose, psychologische Online-Beratung.

Im Schnitt wenden sich monatlich 100 bis 150 Pflegende an die digitale Beratungsstelle, in der fünf geschulte Psychologinnen und Psychotherapeutinnen tätig sind. Jede Anfrage wird individuell beantwortet. Meist sind bis zu acht ausführliche Kontakte notwendig, bis Lösungswege miteinander entwickelt wurden. Bei weiterem Klärungsbedarf werden die Betroffenen an eine Beratungsstelle vor Ort verwiesen. Vitamin K hat Imke Wolf, Psychologin, Psychotherapeutin und Leiterin der Online-Beratung pflegen-und-leben.de, gebeten, einige wichtige Themen aus der Beratungspraxis zu nennen:

Anonyme Online-Begleitung
Die Online-Beratung von pflegen-und-leben.de kann völlig anonym genutzt werden, weil das Thema, in der Pflege an die Grenzen zu kommen, höchstpersönlich und mit großer Scham, Versagensgefühlen und Gewissensnöten besetzt ist. Die Ratsuchenden richten sich selbst ein digitales Postfach ein und können sich einloggen, wann sie wollen. Die Anliegen schriftlich zu formulieren, hat sich als der effektivste Kommunikationsweg erwiesen. Die Schriftform bietet die Möglichkeit, sich mehr zu fokussieren und über das nachzudenken, was auf der Seele brennt. Zusätzlich wird aber auch ein Video-Chat angeboten.

Imke Wolf

Erlaubnisraum öffnen
In der Online-Beratung von pflegen-und-leben.de darf alles gedacht bzw. geschrieben werden. Gewissensnöte, Entscheidungsängste oder Schuld- und Schwächegefühle dürfen ausgesprochen werden. Mit den Beraterinnen geht es dann darum, nach Auswegen und Lösungen zu suchen.

Nicht in Problemstrudel abtauchen
Dauerüberforderung ist ein schleichender Prozess. Der Körper beginnt mit ersten Reaktionen wie Verspannungen, Verdauungsproblemen, Schlafstörungen. Werden diese Symptome ignoriert, verstärken sie sich. Die Betroffenen verlieren zunehmend die Freude am Leben; sie beginnen, sich sozial zurückzuziehen und kommen gedanklich aus den Sorgenkreisläufen überhaupt nicht mehr heraus. Jetzt ist es höchste Zeit, sich Hilfe zu holen!

Aschenputtel oder bis dass der Tod…
Zu 80 Prozent sind die Pflegenden Frauen. Als Töchter wünschen sie sich manchmal drängend eine späte An-erkennung durch die Mutter. Sobald der „Prinz-Sohn“ auftaucht, wird die „Aschenputtel-Tochter“ unwichtig, ein Kreislauf von Enttäuschung und Sehnsucht kann in Depressionen oder mehr oder weniger verdeckter Gewalt enden.
Als Ehefrauen sind sie selbst in einem hohen Alter und werden zunehmend schwächer. Sie fühlen sich dem Versprechen, bis zum Schluss für ihren Partner da sein zu wollen, verpflichtet und können sich oft die eigenen Grenzen kaum eingestehen.

Auswege
Pflegende müssen nicht alles allein schaffen. Es gibt eine Reihe von Unterstützungsmöglichkeiten. Viel zu selten werden die Kurzzeitpflege von insgesamt sechs Wochen pro Jahr, die Verhinderungspflege oder Tagespflege-Angebote in Anspruch genommen. Oft gibt es auch in der Familie, Nachbarschaft oder im weiteren Umfeld Menschen, die gern zwischendurch helfen oder einspringen – man muss sie nur ansprechen.

Wenn wir mal alt sind
Die Generation, die heute pflegt, sagt sich sicherlich immer wieder: Ich will das einmal anders machen. Ein wichtiger Schritt der verantwortungsvollen Vorsorge ist eine individuelle Patientenverfügung. Mit einer Vorsorgevollmacht tut man seiner eigenen Familie einen großen Gefallen und entlastet sie bei wichtigen Entscheidungen.