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Sicherheitsfaktor Blut

Verantwortungsvoller Umgang im St. Vinzenz-Hospital

Sehr viele Patienten, die operiert werden müssen, leiden zum Zeitpunkt des Eingriffs an einer Blutarmut. Dies kann dramatische Auswirkungen auf den Allgemeinzustand nach der Operation haben. Dabei sind die Möglichkeiten der Einflussnahme denkbar einfach. Vitamin K sprach mit Dr. Johanna Weiland, Oberärztin der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am St. Vinzenz-Hospital in Köln-Nippes, über das „Patient Blood Management“, das zu mehr Patientensicherheit führt.

Frau Dr. Weiland, was genau bedeutet Patient Blood Management (PBM)?

Dr. Weiland: Während und nach einer Operation kann eine Blutarmut ein großer Risikofaktor sein. Wirklich viele Patienten kommen schon mit einer Blutarmut ins Krankenhaus. Wenn dann noch für die Untersuchungen viel Blut abgenommen werden muss und auch die Operation ihren Blutverlust einfordert, muss schnell auf Fremdblutkonserven zurückgegriffen werden. Das wollen wir vermeiden.

Wie genau machen Sie das?

Dr. Weiland: Wir schauen genau und frühzeitig hin: Liegt eine Blutarmut vor – und können wir die Blutbildung durch Gabe von Eisenpräparaten anregen? Funktioniert die Blutgerinnung? Können wir das Blut, das während der Operation verlorengeht, dem Körper wieder zuführen? Können wir die Menge der diagnostischen Blutabnahme verringern?

Gibt es ein Schema, nach dem Sie vorgehen oder ist das ein patientenindividuelles Verfahren?

Dr. Weiland: Sowohl als auch: Wir überprüfen anhand eines Schemas, ob eine Blutarmut vorliegt, wie wir Blutverluste minimieren können und ob ein rationaler Fremdbluteinsatz notwendig ist. Das Maßnahmenpaket ist dann auf jeden Patienten individuell zugeschnitten, so dass er den optimalen Nutzen – und vor allem die optimale Sicherheit daraus ziehen kann.

Was bedeutet das im Ergebnis?

Dr. Weiland: Wir wollen unsere Patienten mit bestmöglichen Startbedingungen in eine Operation schicken und den Blutverlust so gering wie möglich halten. Der Patient soll sein eigenes Blut behalten. So kann sich der Körper aus eigener Kraft besser erholen, das Infektions- und Immunschwächerisiko ist geringer. Wir wollen verantwortungsvoll mit der wertvollen Ressource Fremdblut umgehen und genau hinterfragen, wo und wann eine Gabe wirklich notwendig ist.

Ist Fremdblut also generell eine schlechte Alternative?

Dr. Weiland: Nein, nicht generell! Blutkonserven sind in Ausnahmesituationen sehr wichtig – nach schweren Unfällen, bei unaufschiebbaren (Notfall-)Operationen und in verschiedenen anderen Situationen. Wir wollen nur sensibler sein: Fremdblut ist wie ein Medikament oder wie die „Transplantation eines flüssigen Organs“ zu betrachten, es können erhebliche Nebenwirkungen auftreten. Wenn sich diese vermeiden lassen – zum Beispiel, indem man die Gabe durch andere Maßnahmen unnötig macht – dient das der Sicherheit des Patienten.

Das Patient Blood Management in drei Stichworten – was fällt Ihnen dazu ein?

Dr. Weiland: Das ist einfach: Schonung der Patientenressourcen, Steigerung der Patientensicherheit und schließlich auch eine Reduktion der Kosten für Blutpräparate.

 

Oberärztin
Dr. Johanna Weiland
Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie

St. Vinzenz-Hospital
Merheimer Str. 221-223
50733 Köln-Nippes

Tel.: 0221 7712-122
E-Mail: anaesthesie.kh-vinzenz@cellitinnen.de