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Unterschätzte Volkskrankheit

Osteoporose ist keine unabänderliche Erkrankung

Knochenbrüche können zu chronischen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen bis hin zum Verlust der Selbstständigkeit führen. Häufig brechen die Knochen, weil deren Dichte abgenommen hat. Diese verringerte Knochendichte bezeichnet man als Osteoporose. Von Osteoporose sind besonders Frauen ab der Menopause betroffen, aber auch Männer können daran erkranken.

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Die Knochendichte verringert sich im Laufe des Lebens bei jedem Menschen. Von einer krankhaften Abnahme der Knochensubstanz spricht man, wenn der natürliche Abbau deutlich überschritten wird und damit die Wahrscheinlichkeit für Knochenbrüche steigt. Typische Stellen für osteoporotische Brüche sind Oberschenkelhals, Wirbelkörper, Oberarm und Handgelenk. Studien zeigen, dass ab dem 50. Lebensjahr jede fünfte Frau von Osteoporose betroffen ist. Im Alter von 75 Jahren ist es bereits jede zweite. „Doch die Krankheit muss nicht als unabänderlich hingenommen werden“, sagt Dr. Marc Johnsen, Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie am St. Marien-Hospital. „Man kann zum einen vorbeugend aktiv werden und zum anderen auch bei diagnostizierter Erkrankung noch bis ins hohe Alter den weiteren Knochenabbau medikamentös stoppen und sogar Knochensubstanz wiederaufbauen“, beruhigt er alle Betroffenen. Wenn Risikofaktoren oder Knochenbrüche identifiziert wurden, veranlasst der behandelnde Arzt eine Röntgenuntersuchung (DXA), um die Knochendichte exakt auszumessen. Bei dieser Untersuchung wird die Knochenqualität abgeschätzt und die Entscheidung für oder gegen eine medikamentöse Therapie getroffen.

Rechtzeitig gegensteuern

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist tägliche körper-liche Betätigung. Besonders gut wirkt Muskeltraining, aber auch ein Spaziergang ist besser als keine Bewegung. Auf Alkohol und Zigaretten sollten Mann und Frau verzichten. Dies gilt gerade für Patienten, die bereits eine Osteoporose haben. Darüber hinaus ist eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Kalzium entscheidend. Beides ist vor allem in Milchprodukten und fettem Fisch enthalten.

Osteoporose sollte adäquat behandelt werden

Vitamin D wird bei ausreichender Lichteinwirkung auch vom Körper selbst gebildet. Aber: „In Mitteleuropa reicht die Sonnenbestrahlung höchstens in den Sommermonaten. In den Herbst- und Wintermonaten entleeren sich die Vitamin-D-Speicher im Körper stark“, erklärt Dr. Marc Johnsen. Zusätzlich rät er daher zu einer Nahrungsergänzung mit Vitamin-D-Präparaten und Kalzium für alle Risikogruppen und empfiehlt das spätestens ab dem 70. Lebensjahr für jeden. Bei Vorliegen einer Osteoporose werden Medikamente (sogenannte Biphosphonate) in Tablettenform oder als Infusion verabreicht. Sie vermindern bereits nach einigen Monaten Einnahme die Gefahr von (erneuten) Knochenbrüchen bis ins hohe Lebensalter. Vor dem Hintergrund sinnvoller Therapiemöglichkeiten ist es um so weniger verständlich, warum die Erkrankung „Osteoporose“ häufig bagatellisiert, hingenommen und nicht richtig behandelt wird.

Noch mehr Informationen und hilfreiche Tipps zu Ernährung und Arztbesuch finden Sie hier: www.osteoporose.de

 

Oberarzt
Dr. Marc Johnsen
Klinik für Innere Medizin / Geriatrie

Klinik für Geriatrische Rehabilitation
Kunibertskloster 11-13
50668 Köln

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