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Wenn sich die Art des Schlafes verändert

Tabletten sollten nur Ultima Ratio sein – Tipps von Fachmedizinern

Schlafen ist für den Menschen so wichtig wie Essen und Trinken. Während des Schlafs finden sowohl im Körper als auch im Gehirn wichtige Regenerationsprozesse statt. Gerade ältere Menschen leiden jedoch häufig unter anhaltenden Ein- und Durchschlafstörungen. Es gibt viele Möglichkeiten, diese zu beheben. Zuletzt bleibt der Weg in ein Schlaflabor, um dort Erkrankungen wie zum Beispiel die Schlafapnoe erkennen und behandeln zu können.

„Bei Einschlafstörungen sollte man nichts erzwingen. Man kann aber gute Voraussetzungen schaffen.“ Das sagt Dr. Marc Johnsen, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Notfallmedizin, der in der geriatrischen Abteilung (Altersmedizin) im St. Marien-Hospital in Köln tätig ist. Etwa die Hälfte aller älteren Menschen leidet unter Ein- oder Durchschlafstörungen. Die Menge des benötigten Schlafs ändert sich im Erwachsenenalter nicht, wohl aber die Art des Schlafs. Das kann dazu führen, dass man leichter aufwacht und sich tagsüber müde und abgeschlagen fühlt. Wer dann einen Teil des benötigten Schlafs in die Mittagszeit verlegt, vor dem Fernseher einschläft oder sehr früh zu Bett geht, gerät leicht in einen Kreislauf, der zu längeren Wachphasen während der Nacht oder zu sehr frühem Erwachen führen kann. Einfache Verhaltensänderungen (siehe Infokasten) können helfen, besser in den Schlaf zu finden. „Der Griff zu einer Schlaftablette sollte immer nur die letzte Möglichkeit sein“, betont Dr. Johnsen. „Die nötige Erholung erreicht man dadurch nicht. Schlaftabletten führen leicht in die Abhängigkeit und erhöhen die Sterblichkeitsrate, wenn sie über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Unter Schlafmitteleinfluss kommt es außerdem häufiger tagsüber zu Stürzen, die der erste Schritt in eine Pflegeabhängigkeit sein können“, warnt der Mediziner. Ein gut strukturierter, aktiver Tagesablauf, Verzicht auf stimulierende Genussmittel am Abend sowie ein kurzer Spaziergang vor dem Schlafengehen können schon viel bewirken. Darüber hinaus sei es wichtig, so Johnsen, das Bett wirklich nur zum Schlafen aufzusuchen: „Stehen Sie nach etwa 30 Minuten lieber noch einmal auf, statt im Bett verzweifelt auf den Schlaf zu warten.“ Auf die Benutzung elektronischer Geräte sollte man dann allerdings dabei, wie auch kurz vor dem Zubettgehen, verzichten. Das in den Geräten verwendete Licht mit einem hohen „Blauanteil“ hemmt den Ausstoß des Schlafhormons Melatonin und sorgt dafür, dass wir nicht müde werden.

Aufwachen während der Nacht ist normal
Nach etwa vier Wochen sollte sich die Schlafqualität deutlich verbessern. Kommt es dennoch tagsüber zu starken Beeinträchtigungen wie Konzentrationsschwäche, ungewolltes Einschlafen, Gemütsschwankungen oder extreme Antriebslosigkeit, sollte man das Gespräch mit einem Schlafmediziner suchen. „In einem Schlaflabor erfolgt dann die weitere Diagnostik und wenn nötig die Behandlung des Schlafproblems“, erläutert Dr. Peter Liesegang, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Schlafmedizin (Somnologie DGSM) im St. Marien-Hospital, dessen Fachbereich eng mit der altersmedizinischen Abteilung zusammenarbeitet.

Medikamentenmix auf Wechselwirkungen prüfen
Oft kann die vorübergehende Einnahme pflanzlicher Wirkstoffe dabei helfen, den ersehnten Schlaf zu finden. Nicht selten nehmen ältere Menschen ohnehin eine Vielzahl verschiedener Medikamente ein. In diesem Fall lohnt sich ein Blick auf die Dosierung, den Zeitpunkt der Einnahme oder mögliche Wechselwirkungen. Regelmäßiges Erwache­n vor fünf Uhr morgens kann auch ein Zeichen für eine Depression sein. In diesem Fall ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner.

 

Titelbild © Rido/Fotolia

Oberarzt
Dr. Peter Liesegang
Klinik für Innere Medizin – Pneumologie und Allgemeine Innere Medizin/Lungenklinik Köln-Nord

St. Marien-Hospital
Kunibertskloster 11-13
50668 Köln

Tel.: 0221 1629-2050
E-Mail: schlaflabor.kh-marien@cellitinnen.de

Oberarzt
Dr. Marc Johnsen
Klinik für Innere Medizin / Geriatrie

Klinik für Geriatrische Rehabilitation
Kunibertskloster 11-13
50668 Köln

Tel.: 0221 1629-2303
E-Mail: geriatrie.kh-marien@cellitinnen.de